Einblicke in die Entwicklung unserer Stadt
Interessante Eckpunkte der Zella-Mehliser Stadtgeschichte

Liebe Leser,

an dieser Stelle erfahren Sie interessante Einblicke und Details die unsere Stadt, so wie wir sie heute kennen, prägten. An vielen Orten finden Sie zahlreiche historische Zeugnisse. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Staunen und Entdecken. Übrigens: Wenn Sie dem Zeitstrahl bis ans Ende folgen, wartet eine kurze Geschichte zur Vereinigung unserer Stadt auf Sie.

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Jungsteinzeit

Erste Niederlassungen auf dem Gebiet der heutigen Stadt Zella-Mehlis entstanden sehr wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Oberhofer Paß, einem der ältesten und wichtigsten Übergänge des Thüringer Waldes, welcher bis in die jüngere Steinzeit archäologisch nachgewiesen ist.

Wallanlage Ruppberg | Quelle TLDA

2. Jahrtausend v. Chr.

Einzelfunde aus der Bronzezeit (Bronzebeil), der Laténezeit (Wallanlage am Ruppberg) u.a. belegen das Vorhandensein von Menschen in unserem Talkessel

Wallanlage Ruppberg | Quelle TLDA

11. und 12. Jahrhundert

Erste Siedlungsniederschläge im Bereich Zellas lassen sich für den karolingisch ottonischen Zeitabschnitt und Siedlungskontinuität für das Hochmittelalter nachweisen. Es ist denkbar, dass auf Mehliser Territorium zu dieser Zeit ebenfalls Menschen siedelten.

Grabung Zella 24 Okt 2012 | Quelle Martina Reps TLDA Römhild

Jahr 1112

Die erste urkundliche Erwähnung Zella St. Blasiis datiert aus einer verfälschten Urkunde. Sie bestätigt die Weihe eines Bethauses zu Ehren des Heiligen St. Blasius, mit welcher eine Landschenkung des Edelfreien Gebhardt von Nordeck an das Benediktinerkloster Reinhardsbrunn verbunden war. Das Bethaus wurde Propstei, die „cella sancti blasii“, in deren Umfeld sich eine Ortschaft entwickelte und die die Güter der Landschenkung als Filiale Reinhardsbrunns verwaltete.

Urkunde 1112 | ThStA Gotha, Geh Archiv QQ XIV a Nr. 1085

Jahr 1357

Durch einen Tauschvertrag gelangte der größte Teil des Landbesitzes der Zella an die Wettiner als Landgrafen von Thüringen und wurde dem Amt Schwarzwald zugeschlagen. Zella St. Blasii blieb klösterlicher Besitz, Mehlis wurde landgräflich/wettinisch. Erwähnt werden muss, dass auch die Grafen von Henneberg umfangreiche Gerechtsame in Mehlis besaßen.

Urkunde 1357 | ThStA Gotha, Geheimes Archiv QQ I g Nr. 287

Jahre von 1470 bis 1525

Das Amt Schwarzwald war an die Herrschaft der Grafen von Gleichen-Tonna verkauft auf Wiederkauf, somit auch Mehlis. 

16. Jahrhundert

Blütezeit des Eisenbergbaus

Ausschnitt Tafel Rückseite Annaberger Bergaltar

Jahr 1525

In den Wirren des Bauernkrieges zerstörten aufständische Bauern 1525 das Kloster Reinhardsbrunn. Sein Besitz wurde verweltlicht, so auch die Zella St. Blasii, später Teil des Amtes Reinhardsbrunn. 

Die Wettiner (ernestinische Linie) kauften das Amt Schwarzwald mit Mehlis zurück. So waren ab 1525 beide Ortschaften weltlich und wettinisch/ernestinisch. 

Modell des Klosters im Klosterpark Reinhardsbrunn | Fotograf Hans-Joachim Köhler

Jahr 1528

Erster evangelischer Pfarrer in Zella St. Blasii

Lutherbibel im Lutherhaus Wittenberg | Fotograf Torsten Schleese

Jahre von 1572 bis 1640

Beide Orte Teil des Herzogtums Sachsen-Weimar, danach Sachsen-Gotha

Jahr 1629

Errichtung einer Zellaer Büchsenmacher- und Schlosserinnung nach Ablösung von der Suhler Innung

Büchsenmacherinnung Lade Detail | Foto Stadtmuseum Zella-Mehlis

Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts

Aufstieg zu einem deutschen Zentrum der Schußwaffenherstellung

Radschlosspistole Zellaer Meister 1635 | Foto Stadtmuseum Zella-Mehlis

Jahr 1633

Kirchliche Selbstständigkeit von Mehlis

Turmuntergeschoss Kirche Mehlis | Foto Ingrid Reissland

Jahr 1642

Vereinigung von Zella St. Blasii und Schwarzenzella und Angliederung an das Amt Schwarzwald des nunmehrigen Herzogtums Sachsen-Gotha

Versteinungskarte Amt Schwarzwald 1645 Detail / ThStA Gotha, Geheimes Archiv OO II Nr. 17 a, Bl. 53

Jahr 1645

Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha verleiht dem Ort Zella St. Blasii die Rechte eines Marktfleckens mit städtischen Privilegien. Im gleichen Jahr wurde es Amtssitz des Amtes Schwarzwald.

Amtshaus Zella | StAZM 200/3392

Jahr 1661

Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha erhandelt von Sachsen-Zeitz die ehemals hennebergischen Rechte in Mehlis und beendete damit die jahrhundertelange Zweiteilung des Ortes.

Ernst I Herzog von Sachsen Gotha-Altenburg/ Künstler: Jakob von Sandrart (1630-1708), Grafik sh. Wikipedia

Jahr 1762

1762 zerstörte ein verheerender Stadtbrand fast gänzlich die Stadt Zella St. Blasii.

Stadtbrand Zella 1762, Bericht / StAZM 102/7224

Ab der zweiten Hälfte des 18 Jahrhunderts

Rückgang der Waffenherstellung infolge Anlage anderer deutscher Waffenfabriken, Umstieg auf Produktion von Kleineisenwaren, Werkzeugen und Maschinen

Werkzeug | Produktkatalog Werkzeuge und Kleineisenwaren / Foto Stadtmuseum Zella-Mehlis

Jahr 1826

Aussterben des Herzogshauses Sachsen Gotha-Altenburg, Zella und Mehlis gelangen zum Herzogtum Sachsen Coburg- und Gotha

Wappen Sachsen Coburg und Gotha

Jahre 1831 bis 1832

Bau einer neuen Staatsstraße von Gotha nach Coburg über Zella und Mehlis, dadurch verbesserte Verkehrsanbindung

Postkutsche auf der Chaussee von Zella nach Oberhof / Quelle: Hermann Barthelmes

Jahre 1881 bis 1884

Bau der Eisenbahnstrecke Erfurt-Meiningen mit Anbindung Zellas an das deutsche Schienennetz

Einweihung des Brandleitetunnels 1883 | StAZM 600/5

9. November 1918

Das Herzogshaus von Sachsen-Coburg-Gotha wird im Zuge der deutschen Novemberrevolution abgesetzt. Zella St. Blasii und Mehlis werden Teil der neugegründeten Volksrepublik Gotha (später Freistaat Gotha).

1. April 1919

Nach 6-jährigen Verhandlungen wurde die Vereinigung zur Stadt Zella-Mehlis vollzogen.

Vereinigungsgesetz 20. März 1919 |  StAZM 102/8459

Jahr 1920

Zella-Mehlis wird Stadt des neugegründeten Landes Thüringen, in welchem u.a. der Freistaat Gotha aufging.

Wappen Land Thüringen 1921

Jahre von 1919 bis 1922 und 1924 bis 1935

Zella-Mehlis wird kreisfreie Stadt.

1.Wappen von Zella-Mehlis 1925

Jahr 1945

4. April: Besetzung von Zella-Mehlis durch Einheiten der 11. amerikanischen Panzerdivision, 6.-8. Juli: Besatzungswechsel mit der sowjetischen 8. Gardearmee

6. Juni 1945

Eingliederung von Zella-Mehlis in den Kreis Schleusingen, der 1946 in Kreis Suhl umbenannt wird.

Zella-Mehlis im Juli 1945 / © GDI-Th 1945

Jahre 1945 bis 1948

1945-1948 Sequestrierung, Demontage und Verstaatlichung der Wirtschaftsbetriebe

 

Hermann Weihrauch Waffen- und Fahrradteilefabrik nach der Demontage | 1946 StAZM 300-75

Jahr 1952

Der Kreis Suhl wird, mit Bildung von Bezirken in der ehemaligen DDR, Teil des Bezirkes Suhl. Im gleichen Jahr wird Zella-Mehlis Kreisstadt. 

Bezirk Suhl | StAZM 201/A 6-9

Jahr 1967

Die Neubenennung des Kreises Suhl in Kreis Suhl-Land erfolgt. Auch zu DDR-Zeiten behauptete die Stadt ihren Ruf eines überregional bedeutsamen Industriestandorts und Talenteschmiede v.a. des Winter- und Ringkampfsports.

Blick über Zella-Mehlis 1965 | StAZM 102/1323

3. Oktober 1990

Auflösung der Bezirke unter Bildung von Bundesländern, Zella-Mehlis wird Teil des Freistaates Thüringen.

Thüringer Wappen

Ab 1990

Reprivatisierung der volkseigenen Wirtschaftsbetriebe

Mercedes bzw. VEB Robotron Hauptgebäude | 1985 ca StAZM 302- F 2591

1. Juli 1994

Auflösung des Kreises Suhl-Land, Zella-Mehlis wird Teil des Landkreises Schmalkalden-Meiningen.

 

Wappen Zella Mehlis 1990

5. Juli und 7. Juli 2003

Eröffnung des Rennsteigtunnels der neugebauten Autobahn A 71 und Freigabe von Erfurt bis Meiningen Süd – Autobahnanbindung von Zella-Mehlis 

Eröffnung Rennsteigtunnel am 5. Juli 2003 / Fotograf Günther Prätor

1. Januar 2019

Vereinigung mit Benshausen

Bildquelle: Bilderbude Erdmann Meiningen

1. April 2019

100. Jahre Stadtjubiläum Zella-Mehlis

Bildquelle: Heinrich Held

100 Jahre Zella-Mehlis

Am 1. April 1919 vereinigten sich die beiden Kleinstädte Zella St. Blasii und Mehlis zur Stadt Zella-Mehlis. Dies war das Ergebnis langjähriger Verhandlungen in einer komplizierten Zeit. Wie kam es nun dazu?

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörten Mehlis und Zella St. Blasii zum Herzogtum „Sachsen-Coburg und Gotha“ und waren Teil des Landratsamtsbezirkes Ohrdruf. Die Industrialisierung im 19. Jh. und die Eisenbahnanbindung 1884 hatte die wirtschaftliche Entwicklung in beiden stark industriell geprägten Orten enorm beschleunigt. Die Metallindustrie, v.a. Werkzeug- und Maschinenbau und die Waffenproduktion spielten eine überragende Rolle. Ein enormer Zuzug von Arbeitskräften ließ die Städte aus allen Nähten platzen. Zählten im Jahre 1900 beide Städte zusammen 9275 Personen, so waren es 1910 schon 12315!

Diese Verhältnisse setzten Überlegungen der Landesregierung in Gang, neben den Städten Gotha, Waltershausen und Ohrdruf, im Süden des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha durch Zusammenlegung von Zella St. Blasii und Mehlis eine wirtschaftsstarke, selbstverwaltete Mittelstadt zu fördern. 

Am 27. Februar 1913 schrieb das Landratsamt Ohrdruf an das Herzogliche Staatsministerium: „Die Verhältnisse der beiden Städte Zella St. Blasii und Mehlis drängen immermehr zu der ernsten Erwägung einer Verschmelzung beider Gemeinwesen zu einer einzigen Verwaltung.“ Daraufhin regten beide Behörden im März 1913 bei den Stadtvorständen das Projekt einer Städtevereinigung an. Am 7.1.1914 fand im Hotel Reichshof zu Mehlis eine Gemeinschaftssitzung zwischen Vertretern der Staatsbehörden und den städtischen Gremien statt mit dem Ergebnis der Bildung einer „Verschmelzungskommission“, die im Laufe des Jahres grundsätzliche Aspekte einer Vereinigung beriet. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges verzögerte jedoch die Verhandlungen.

Im Herbst 1917 erschien das Thema Städtevereinigung wieder auf den Tagesordnungen. Das Staatsministerium beauftragte das Landratsamt, basierend auf dem „Gesetz über die Vereinigung von Gemeinden“ vom 23. März 1916, nun eine grundsätzliche Entschließung der Stadtvorstände zum Thema Vereinigung einzuholen. Dies bewirkte im Dezember 1917 die generelle Befürwortung des Projektes durch beide Städte.

In den darauffolgenden Gemeinschaftssitzungen vom 18. und 24. Januar 1918 verabschiedeten Stadtvorstände und Stadtverordnete die weichenstellende Resolution, in welcher einer „friedlichen Verschmelzung beider Städte unter gewissen Voraussetzungen zugestimmt wird.“ Beigefügt wurde ein umfangreicher Forderungskatalog. Vorgeschlagen wurde „Zella-Mehlis“ als neuer Name der Stadt, da diese Bezeichnung in der Handels- und Verkehrswelt schon geläufig sei. 

Mit der Novemberrevolution von 1918 ging der 1. Weltkrieg und die Zeit der Kleinstaaterei und Monarchien zu Ende. Die Weimarer Republik erlebte ihre Geburtsstunde. In Gotha wurde Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg- und Gotha abgesetzt und die Volksrepublik Gotha ausgerufen. In Zella und Mehlis verdrängten Arbeiterräte die früheren Stadtverordneten. 

Trotz des politischen Chaos forcierte im Dezember 1918 das Landratsamt weiter die Städtevereinigung und drohte mit Zwangsmaßnahmen. Daraufhin kam es am 12. Januar 1919 zu einer Sitzung der Arbeiterräte und Bürgermeister, in welcher u.a. der Vereinigungstermin auf den 1. April 1919 einstimmig festgesetzt wurde. 

Am 12. März 1919 fand die Schlussverhandlung im Reichshof zu Mehlis statt. Hier wurden die grundsätzlichen rechtlichen, verwaltungstechnischen und finanziellen Entscheidungen zur Verschmelzung von Zella St. Blasii und Mehlis getroffen, welche im Vereinigungsbeschluß vom 13. März schriftlich niedergelegt wurden. Am 20. März erließ die Landesregierung die „Verordnung über die Vereinigung der Städte Zella St. Blasii und Mehlis“. Mit ihr wurde das langjährige Projekt der Verschmelzung der altehrwürdigen Städte rechtskräftig. 

Die Vereinigung selbst vollzog sich am 1. April 1919 still und unspektakulär. Das Chaos jener Zeit gepaart mit existentiellen Problemen der Menschen drängte vermutlich die Frage nach einer grossen Feier in den Hintergrund.

Zum ersten Bürgermeister der neuen Stadt wählten die Bürger am 15. Juni 1919 den ehemaligen Mehliser Bürgermeister Walter Theermann, der die Geschicke der neuen Stadt bis Jahresende 1921 leitete.